Corona und Klima II

Die Überblendung von Corona Viren und einem ausgetrockneten Boden assoziieren die Themen des Beitrags

Die Corona Diskussion bekommt inzwischen ähnliche Dimensionen wie die über den Klimawandel. Beide behandeln ja auch etwas, das gewissermaßen miteinander verwandt ist. Beide Phänomene entspringen dem, was wir so gerne die Natur nennen, also dem, was immer schon da war, bevor ein Mensch sich darüber wundern konnte, dass da etwas ist – das chaotische, sich selbst regulierende Klimasystem der Erde, das von menschlicher Aktivität verändert wird, und ein Virus – das Ergebnis einer hunderte von Millionen Jahren währenden Evolution, die immer wieder neue Viren hervorgebracht hat. Beides Phänomene, die erst mit modernen Methoden sichtbar gemacht werden können.

Von den Veränderungen des Klimas wissen wir seit über fünfzig Jahren (und reagieren nach wie vor nicht angemessen darauf).

Dass irgendwann eine Pandemie ausbrechen würde, war in wohl jeder weitreichenden Zukunftserwartung enthalten.

Jetzt ist das neue Virus da und hat plötzlich eine potenzielle Fortpflanzungsgelegenheit, deren Anzahl etwa 7,5 Milliarden Menschen beträgt. Das ist eine großartige Gelegenheit für ein Virus – keine Immunität, keine Medikamente, keine Impfung.

Die Art des Virus‘ ist es, sich exponentiell zu vermehren. Exponentielle Vermehrung war diese Sache, die sich kaum ein Mensch vorstellen kann. Aus einem werden zwei, dann vier, dann acht usw. nach relativer kurzer Zeit erreichen die Zahlen schwindelnde Höhen, erreichen sie Größenordnungen, die jegliche Vorstellungskraft überfordern.

Vor demselben Problem steht die Vorstellungskraft, wenn es vor den wahrscheinlichen Auswirkungen der klimatischen Veränderungen steht. „Es kann doch nicht sein, dass aus Italien und Spanien Wüsten werden.“ „Es kann doch  nicht sein, dass Deutschland vor dem dritten Dürresommer in Folge steht.“ „Es kann doch nicht sein, dass so ein blödes Virus das Leben von Millionen von Menschen bedroht.“

Dann liegt es natürlich nahe, z.B. an den Methoden zu zweifeln, die das Phänomen erst auf seinen Grund zurückgeführt haben. Das scheint auch ganz einfach zu sein, denn diese Methoden sind wissenschaftliche Methoden und deren Ergebnisse sind prinzipiell vorläufig und sie bedürfen ebenso prinzipiell der Diskussion. Und natürlich finden sich in diesen Diskussionen auch immer Minderheitsmeinungen (die manchmal und sehr, sehr selten zutreffender sind, als die Meinung des Mainstreams).

Ebenso naheliegend erscheint die Möglichkeit, die Phänomene zu relativieren oder zu verharmlosen. „Das wird schon nicht so schlimm werden.“ „Das gab es doch schon früher.“ „Das ist doch nur eine kleine Grippe.“ etc. pp. Jegliche (unweigerlichen) Abweichungen von den Prognosen können als Begründung dafür herhalten.

Sehr beliebt sind auch Verschwörungstheorien – alles funktioniert nach einem geheimen Plan, der von wem auch immer ausgeheckt wurde. Jedenfalls stecken die Regierung, das internationale Kapital und die Medien unter einer Decke und haben sich inzwischen auch der Mitarbeit von „System“-Wissenschaftlern versichert (wahrscheinlich mit freundlicher Hilfe der Mafia).

Wohlgemerkt: Es ist natürlich sinnvoll und richtig über die Maßnahmen der Regierung zu diskutieren, sie zu kritisieren und zu hinterfragen. Jedenfalls so lange das auf dem Boden von Tatsachen, also von Aussagen über Fakten getragen wird.

Nun kann man schon darüber streiten, ob etwas überhaupt ein Faktum ist (s.o.), und der Streit geht dann richtig los, wenn es darum gehen soll, was diese Tatsachen denn nun bedeuten.

Hier ist niemand vor einem Irrtum gefeit. Die Wahrscheinlichkeit eines Irrtums erhöht sich sogar, wenn es um die Bedeutung eines völlig neuen Faktums geht – eben um die Existenz des neuen „SARS-CoV-19“ Virus.

Eine spannende Frage zum Irrtum hat sich mir schon zur Klimakatastrophe aufgedrängt. Also einmal angenommen, Greta Thunberg, viele Klimawissenschaftler*innen und Menschen, wie ich einer bin, irren sich. Was wäre die Konsequenz? Wir würden etliche Maßnahmen, wie Verbrennungsmotoren, die bessere Isolierung von Wohnungen, Geschwindigkeitsbeschränkungen u.v.m. für teures Geld an- oder abschaffen. Wie gesagt, das würde wohl ziemlich teuer werden. Aber immerhin, die Luft wäre sauberer, der Verbrauch von Kohle und Öl würde zurückgehen, es gäbe weniger Straßenlärm usw. usf.

Was aber, wenn sich die Klimaleugner irren? Dann würden wir mit Karacho in eine Zukunft rasen, die wohl mit chaotisch am treffendsten umschrieben wäre.

Und am Beispiel von Corona – also was wäre, wenn z.B. der Shutdown und das Social-Distancing unnötig wären? Wir hätten dann unnötig eine Menge Geld verloren, und keine Frage, diese Situation ist für sehr viele Menschen sehr bedrohlich bis fatal.

Diese Maßnahmen lassen sich also nur im Verhältnis dazu verstehen, was geschehen würde, wenn alles überwiegend so weiter ginge wie zuvor. Und darin sind sich die große Mehrheit der Virolog*innen und Epidemiolog*innen einig. Das Virus würde sich ziemlich schnell und umfassend ausbreiten. In der Konsequenz würde jedes Gesundheitssystem überlastest werden und es würden sehr, sehr viele Menschen sterben – an und mit Corona. Ach ja, und das würde natürlich auch eine Menge Geld verschlingen.

Corona und Klima

der verlorene Handschuh ist ein Symbol für die kalte Hand des Autors

Vergangenen Herbst hatte ich meinen „Holy Shit Moment“. Die erschütternde Einsicht, dass es für die sog. Rettung des Klimas zu spät ist. Ich fühlte mich zutiefst niedergeschlagen, traurig, zornig, ratlos, ohnmächtig – fast gelähmt. Dieser Zustand hielt etwa drei Monate an. Nach und nach habe ich meinen Frieden damit gefunden.

Noch ist es nicht soweit und auch wenn es ganz schlimm kommt, gibt es immer noch etwas Sinnvolles zu tun. Bis dahin lohnt sich der Kampf um jedes zehntel Grad und um die Einsicht möglichst vieler Mitmenschen.

Vor diesem Hintergrund erlebe ich jetzt die Corona Pandemie, und ich muss sagen, ich erlebe sie sehr gelassen. Natürlich habe ich Mitgefühl mit den Betroffenen – mit Kranken, Helfern und den Hinterbliebenen. Ich befürchte, dass sich die Situation noch erheblich verschlechtern wird – in Freiburg, ganz Deutschland und überall auf der Welt. Corona wurde jüngst als eine Naturkatastrophe in Zeitlupe bezeichnet.

Genau das wurde auch schon über den Klimawandel gesagt. Jetzt muss dessen Verlauf wohl als eine Ultra-Zeitlupe bezeichnet werden. Vielerorts noch kaum merklich, aber mit großer Beharrlichkeit.

Ich bin auf den Sommer gespannt. Was wird geschehen, wenn zu Corona und Quarantäne noch die Hitze und die Trockenheit kommen, die der Gesundheit ja auch nicht besonders zuträglich sind?

Anders herum könnte ich auch das Erscheinen von Corona als eine Art Zeitraffer des Klimawandels sehen. Es geschieht so ungefähr das, was mit dem Einsetzen der Klimakatastrophe ebenfalls geschehen wird. Natürlich in einem lächerlich kleinen Maßstab. Schon von den absoluten Zahlen her.

Corona mag vielleicht zwanzig oder dreißig Millionen Menschen töten (wie die Spanische Grippe).

Der „Second Worst Case“ der Klimakatastrophe kann sechs Milliarden Menschen die Möglichkeit nehmen, überhaupt zu leben.

Die rechnende Vernunft sagt:

Corona – nicht einmal 1 Prozent der Weltbevölkerung.

Klimakatastrophe – etwa 88 Prozent.

Wir erleben gerade lange Schlangen vor den Supermärkten, Hamsterkäufe und Rangeleien um die Befolgung von Vorsichtsmaßnahmen. Wir erleben eine rasante Einschränkung von Bürgerrechten. Wir erleben die teilweise Überforderung staatlicher Möglichkeiten und Mittel. Wir erleben Überlastungen der öffentlichen Infrastruktur. Wir erleben einen Zusammenbruch der Wirtschaft. Wir erleben, wie sich viele Staaten abkapseln, anstatt gemeinsam der Gefahr zu begegnen.

Was wird geschehen, wenn Lebensmittel und Wasser wirklich knapp werden, wenn Millionen Klimageschädigte nach Norden drängen, wenn Millionen Küstenbewohner ihre Städte räumen müssen?

Corona Lektionen

Und was lernen wir nicht alles mit Corona?! Dass individuelle Handlungen Folgen für andere nach sich ziehen – Folgen, die zu verantworten sind. Das gilt natürlich zu allen Zeiten, in allen menschlichen Gemeinschaften, aber jetzt, macht Corona das richtig deutlich.

Wir lernen, dass Ordnungspolitik große Veränderungen in kurzer Zeit bewerkstelligen kann.

Wir lernen, dass die Wirtschaft nicht ohne staatliche Unterstützung funktioniert.

Wir lernen Statistik! Die Wahrscheinlichkeit einer Pandemie war relativ niedrig, aber dass sie irgendwann auftritt wiederum recht gewiss. Jede Möglichkeit, und sei sie noch so unwahrscheinlich, kann Wirklichkeit werden (Vielleicht schaffen wir das 2° Ziel – das ist derzeit wahrscheinlicher als das 1,5° Ziel zu erreichen und wahrscheinlicher als eine 4°- 6° Erwärmung, die aber immer noch möglich ist, und sogar wahrscheinlicher wird, je näher wir den 2° kommen).

Und wir lernen die Exponentialfunktion! Das war die Sache mit dem Schachbrett. Da legt man ein Korn Reis auf das erste Feld; zwei auf das zweite, vier auf das dritte, acht auf das vierte usw. Es gibt aber nicht so viele Reiskörner auf der Erde, um das 64te Feld zu füllen. Derzeitiger Stand bei Corona in Deutschland: Etwa 14tes Feld – ein neues Feld etwa alle drei bis vier Tage. Derzeitiger Stand der Klimaveränderungen: Hohe Gefahr einer exponentiellen Zunahme von z.B. Methan mit verheerenden Folgen.

Sicher zeigt Corona uns, was im Zweifelsfall wirklich wichtig und hilfreich ist – Solidarität, aufeinander achten, füreinander sorgen, aufeinander Rücksicht nehmen, vernünftig bleiben u.v.m.

Im günstigsten Fall werden Lehren aus der Corona Erfahrung gezogen. Z.B. dass Vorsorge ein wichtigeres Prinzip ist, als Profitstreben. Dass staatliche Ordnungsstrukturen wesentlich für ein bekömmliches Miteinander sind. Dass Selbstverantwortung mindestens so wichtig ist wie Selbstverwirklichung und Solidarität. Dass es nicht nur in Krisenzeiten auf jeden und jede Einzelne ankommt, wenn es um die Zukunft geht.

Die fatale Macht von Schätzen

Das Bild des Bergmassivs erinnert an Mittelerde

Frodo: “Ich wünschte, all das wäre nie passiert.“

Gandalf: “Das tun alle, die solche Zeiten erleben. Aber es liegt nicht in ihrer Macht, das zu entscheiden. Du musst nur entscheiden, was du mit der Zeit anfangen willst, die dir gegeben ist.“

Dieser Dialog stammt aus dem „Herrn der Ringe“ – ich finde, er passt auch gut in unsere Zeit und das nicht mehr nur in Mittelerde.

Der Klimawandel mag sich als genauso schlimm erweisen, wie die rücksichtslosen Ränke des ruchlosen Sauron. Der Geist von Mordor ist bereits überall und nirgends, vor der eigenen Haustür und in fernen Weltgegenden – ebenso gestaltlos, wie der finstere Herrscher auf seinem dunklen Thron.

Wer kommt sich heute nicht wie Frodo der tapfere Hobbit vor? Wer fühlt sich nicht winzig klein vor den gewaltigen Bedrohungen, die bereits mancherorts hereinbrechen? Das Auenland aller Menschen ist von gefühl- und erbarmungslosen Mächten bedroht – Fluten, Dürren, Stürme, Brände und danach Krieg, Hunger, Flucht und Tod.

Aber im Unterschied zum Roman gibt es nicht die eine Tat, die uns alle retten könnte. So wie kein einzelner Mensch daran schuld ist, dass diese Mächte entfesselt wurden, so kann kein einzelner Mensch diese Mächte aufhalten. Menschen können sich nur zusammentun und versuchen, gemeinsam und planvoll zu handeln um zu retten, was zu retten ist – quasi ein Bündnis der Völker, wie das von Menschen, Zwergen, Elben und Ents.

Aber wie im Roman scheint es auch im wirklichen Leben Orks und Warge zu geben. Die Nazgul kreisen kreischend über unseren Köpfen und der Balrog versengt die Wälder. Nicht zu vergessen, die schillernden Zauberer vom Schlage eines Saruman, die uns weismachen wollen, dass grün, rot sei, und eben alles gar nicht so schlimm, und auch nicht die Gollums, die unsichtbar herumschleichen und ihren Opfern in die Waden beißen.

Und ebenso wie im Roman gibt es immer noch arglose Mitmenschen, die noch gar nichts von der Gefahr gehört haben; diejenigen, die von ihr gehört  haben, aber auf Rettung spekulieren; diejenigen, die kopflos versuchen, sich mit ungeeigneten Mitteln zu retten; und natürlich diejenigen, die schon aufgegeben haben, bevor es richtig angefangen hat.

Nun gibt es wie gesagt nicht diesen einen Ring, diesen SCHATZ, diese wertvolle Preziose aus reinem Gold, das mit überwältigender und tödlicher Macht ausgestattet ist, dessen Zerstörung alle retten könnte.

Aber vielleicht lässt sich der Schatz metaphorisch verstehen. Dann stünde er für alles, woran sich Menschen klammern, was sie nicht hergeben und nicht loslassen möchten. Sie glauben vielleicht auch, dass ihr Schatz ihnen eine besondere Macht verleiht, dass sie sich dank ihm von anderen Menschen abheben. Oder auch, dass der Schatz ein Talisman ist, der sie vor den zahllosen Gefahren, die in der Welt lauern, schützt.

Wenn ich die „Schätze“ der zeitgenössischen, (v.a. nördlichen) Zivilisationen betrachte – von Verkehrssystemen, Energieversorgung, Nahrungs- und Genussmitteln, über Rechtsstaat, Gewaltenteilung und Demokratie, bis zu Lebens-, Renten- und Krankenversicherungen – dann kann ich verstehen, dass diese Errungenschaften Sicherheit und ein gutes Leben versprechen. Wer diese Schätze nicht hat, der strebt nach ihnen und wer sie schon hat, möchte sie nicht mehr missen.

Schade nur, dass diese Schätze einen Preis haben. Sie zu erschaffen und zu unterhalten bleibt nicht folgenlos für Gaia. Galadriel drückte es passend aus: „Die Welt ist im Wandel. Ich spüre es im Wasser. Ich spüre es in der Erde. Ich rieche es in der Luft.“ Schätze zu erschaffen scheint auch Unheil mit zu erschaffen.

Auch Frodo konnte den Ring nicht einfach aufgeben – er musste ihm vom Finger gebissen werden. Schätze loswerden kann weh tun. Worauf müssen wir in Zukunft wohl verzichten? Und wie können wir uns davon lösen? Was werden wir stattdessen finden? Und welchen Preis dann dafür bezahlen? Die Zukunft ist notorisch unvorhersagbar.

Aber für diesen Ausblick hat Samweis Gamdschie wohl die besten Worte gefunden:

Sam: „[…] Und manchmal wollte man das Ende gar nicht wissen, denn wie könnte so eine Geschichte gut ausgehen? Wie könnte die Welt wieder so wie vorher werden, wenn so viel Schlimmes passiert ist? […] Aber ich glaube, Herr Frodo, ich versteh‘ jetzt. Ich weiß jetzt: Die Leute in diesen Geschichten hatten stets die Gelegenheit umzukehren, nur taten sie’s nicht. Sie gingen weiter, weil sie an irgendetwas geglaubt haben!“

Frodo: Woran sollen wir glauben Sam?

Sam: Es gibt etwas Gutes in dieser Welt Herr Frodo, und dafür lohnt es sich zu kämpfen!“

Klima – März 2020

Die Gewitterwolken symbolsieren die heraufziehende Katastrophe

Die neue Klimabewegung ist nun mehr als ein Jahr alt. Fridays for Future und viele andere Gruppen haben in kurzer Zeit viel erreicht. Die Bundesregierung verabschiedet ein Klimapäckchen, die EU einen „Green New Deal“, Investmentfirmen mahnen Klimaschutz an – die Brisanz des Themas ist weiten Kreisen der Bevölkerung bewusst geworden.

Leider sieht es so aus, als ob alle bisher ergriffenen Maßnahmen viel zu kurz greifen – sie kommen nach Expertenmeinung zu spät und sind zu zögerlich. Es erscheint unwahrscheinlich, dass so das Pariser Ziel von maximal 1,5° C Erwärmung erreicht werden kann.

Inzwischen scheint eine Art Überdruss um sich zu greifen – „Nicht schon wieder dieses lästige Klimathema!“ Hinzu kommen andere Schlagzeilen – Corona-Pandemie, Flüchtlingskrise, Börsencrash. Alles Themen, die zurecht ebenfalls Aufmerksamkeit auf sich ziehen und nebenbei auch zeigen, wie effektiv entschlossenes staatliches Eingreifen in Katastrophenfällen sein kann.

Auf Seiten der Engagierten macht sich eine gewisse Erschöpfung bemerkbar. Was vielleicht zunächst wie ein Sprint ausgesehen hat, erweist sich nun als Ultra-Marathon. Was zunächst wie ein klar umrissenes Thema aussah erweist sich als verfilztes und verschachteltes Problem – wo soll man da anfangen, und wo hört es auf?

Diese Komplexität führt zu einer gewissen Zerstreuung der Klimabewegungen. Einige beginnen damit, den Kapitalismus zu bekämpfen, andere bekämpfen rechte Parteien, wieder andere ermahnen zu veganer Ernährung und Verzicht auf SUVs, manche setzen sich für Klima Migrant*innen ein, und mehr und mehr kommen einzelne Firmen (Siemens, Heidelberg Zement, RWE) in den Fokus des Protests.

Die ursprünglichen Adressaten des Klimastreiks, die politisch Verantwortlichen, geraten aus dem Blick. Sie ruhen sich auf ihren vermeintlichen „Lorbeeren“ aus und verweisen auf Sachzwänge. Ein jeder versteckt sich hinter dem anderen, verweist auf noch schlimmere Übeltäter, die ja auch nicht schwer zu finden sind.

Die Zeit drängt. Und auch wenn viele Menschen diesen Umstand verdrängen, ist er ebenso vielen bewusst. Aber das führt sie in eine Konfrontation mit zwei Gegnern – gegen die Physik und gegen die Mitmenschen, die sich vor der Einsicht sträuben. Die Physik verhandelt nicht. Ihr ist nur mit entschlossenem Handeln beizukommen. Um aber entschlossen genug zu handeln bräuchte es eine gewisse Einigkeit der Betroffenen, also von vielen, vielen Menschen.

Wie kann also die Klimabewegung weiter und wirkungsvoller vorankommen? Genügt es noch, Veränderungen zu fordern, oder müssen vielleicht eigenen Vorschläge erarbeitet werden? Ist die organisatorische Aufstellung der Klimabewegten noch angemessen, oder braucht es eine Institutionalisierung? Besteht die Möglichkeit, die vielfältigen Engagements zu bündeln um mehr Kraft zu entfalten?

Ich denke, dass solche Fragen wichtig sind, denn wie gesagt – die Zeit drängt.

Dumm gelaufen?

Wir können es nicht mehr schaffen. Nicht das 1,5° Ziel, nicht das 2° Ziel und wahrscheinlich nicht einmal das 4° Ziel.*
Warum wir es nicht schaffen können? Es gibt kein sogenanntes CO² Budget. Es ist bereits so viel CO² in der Atmosphäre, dass die Kipp-Punkte unvermeidlich ausgelöst werden, möglicherweise schon ausgelöst sind – Es heißt, dass die Menschheit ab diesem Moment die Kontrolle über das Klima verlöre.

Haha! Als hätte die Menschheit jemals eine Kontrolle über das Klima gehabt. Alles was die Menschheit bisher mit dem Klima gemacht hat, ist, es mit seinen gasförmigen Abfällen zuzuscheißen. Und da sitzen wir jetzt – in der Scheiße.

Immerhin, die Luft ist sehr viel sauberer geworden – viel weniger Partikel drin als früher. Blöderweise verstärkt das jetzt die Erhitzung, denn die Feststoffe haben wenigstens Sonnenlicht abgehalten.

Und außerdem haben wir das Ozonloch (fast) wieder gestopft, nachdem wir es aus Versehen aufgerissen haben. Ja, das war ein Erfolg! Eine internationale, globale Verzichtsvereinbarung für FCKW. Das müsste man doch noch einmal hinbekommen können. Zumal die Erderhitzung so viel gefährlicher ist, als es das Ozonloch jemals war. Wir müssten ja nur darauf verzichten, weiterhin CO², Methan, Lachgas etc. auszustoßen.

Aber das erweist sich als eine viel größere Herausforderung, als das bisschen Treibgas in Spraydosen. Denn CO² ist der Abfall von fossilen Brennstoffen, dem Rückgrat der globalen Energiewirtschaft. Den Ausstoß sofort zu beenden, würde bedeuten, dass einige der Erdölproduzierenden Staaten von jetzt auf gleich zahlungsunfähig wären. Die Wirtschaft würde zusammenbrechen und die darauf folgenden sozialen Unruhen wären so gewaltig, dass niemand sich das vorstellen mag. Und das allerschlimmste daran wäre, dass es nicht einmal mehr etwas Qualitatives ändern würde – bestenfalls könnte ein 6° Szenario vermieden werden – aber um welchen Preis? – Andererseits wäre der Preis für ein 6° Szenario wohl der Untergang der menschlichen Zivilisation, wenn nicht sogar der Gattung.

Ja, wie gesagt. Schöne Scheiße!

Die Frage ist so betrachtet also nicht: Ob die Katastrophe kommt, sondern wann und wie sie einsetzt und wie es dann weitergehen wird.

Was soll man tun in so einer Situation? Was kann man überhaupt noch tun?

Aufgeben zählt nicht.

*Wasdell, D. (2015), „Climate Dynamics: Facing the Harsh Realities of Now.“
Verfügbar unter: http://www.apollo-gaia.org/Harsh%20Realities.pdf
und: https://www.pnas.org/content/115/33/8252

2020

Sieh nur wie die Wälder brennen!
und die Menschen rennen hinterher
Felder, die kein Grün mehr kennen
und die Bäuche bleiben leer

Sieh nur wie die Gletscher schmelzen!
und die Menschen schauen zu
wie sich Fluten talwärts wälzen
wo die Luft knapp wird, im Nu

Sieh die Menschen, wie sie suchen!
was sie brauchen, um zu sein
wie sie beten, wie sie fluchen
winzig groß und riesig klein.

Sieh die Erde, diesen Planeten
da treibt er durch das weite All
auf das zu, was auch immer werde
aus diesem ganz speziellen Fall

This Way of Life is a Highway to Hell

Skolstrejk för Klimatet – Fridays for Future – Extinction Rebellion

Sind die denn alle verrückt geworden? Was wollen die denn?
Die wollen, dass rechtzeitig genügend Mitmenschen aufwachen, um zu bemerken, dass das Klima sich ändert.
Es ändert sich sogar sehr schnell – so schnell, dass es sein könnte, dass in einigen Jahren der Planet ein ganz anderer sein wird. Die wollen, dass genügend Mitmenschen aufwachen und etwas dafür tun, damit es nicht ganz verheerend wird.

Blöderweise bestünde das konsequenteste Tun, um etwas zu verändern, darin, sich selbst zu verändern.

Ja aber was den ändern? Was ich tue spielt doch eh keine Rolle!?

Ja, aber es wird sich trotzdem etwas ändern und zwar sehr viel mehr als ohnehin schon. Es gibt kein Versteckspiel mehr – da kommt etwas auf uns zu bzw. wir bewegen uns genau auf diese Richtung hin.
Es wären auch andere Richtungen möglich. Richtungen die mehr Chancen auf einen zumindest kleinen Erfolg hätten.
Die Wahl besteht nunmehr nur noch darin, wie ein jeder mit einer gewiss kommenden Veränderung am liebsten umgehen würde?

Wie willst Du und wie wollen Sie, wie wollt Ihr – wie wollen Wir damit umgehen, dass da eine heftige Veränderung auf uns zukommt, bzw. wir uns genau auf diese Richtung hin bewegen?

Um mit der Veränderung umgehen zu können, müssen wir uns selbst ändern – also nicht wirklich wir Selbst. Es geht um das was man jeden Tag so macht, die Routinen, die Lebensumstände, um den Alltag – um: „The Way of Life“ – und in dem laufen wir unvermeidlich mit.
Für „Stop Climate Change“ ist es zu spät. Es ändert sich bereits und wir können es nicht aufhalten.
„Klima Schutz“ ist eine nette Formel, um nicht „Menschheitsschutz“ sagen zu müssen. Dem Klima ist die Menschheit egal.
Ich finde die Formel „Klima Katastrophe verhindern“ am treffendsten. Noch ein paar wenige Schritte weiter auf dem alten Weg könnten in einen Highway to Hell führen.

„Unser Haus brennt“

Greta Thunberg legt den Finger in die Wunde, wenn sie formuliert: „Unser Haus brennt.“ Es ist völlig unklar, ob es tatsächlich noch zwei Minuten vor zwölf ist, oder nur zwei Sekunden, oder ob es womöglich schon zwölf geschlagen hat. Als sicher gilt, dass die Erwärmung des Klimas auch dann weitergehen würde, wenn der Ausstoß aller Treibhausgase schlagartig beendet würde. Aber es scheint so, als ob Regierungen und Investoren glauben, dass sie sich immer noch etwas Zeit lassen können, bis sie damit beginnen, wirksame Maßnahmen zu ergreifen.
Bis dahin scheint es ihnen zu genügen, die Verbraucher*innen dazu aufzufordern, sich klimafreundlich zu verhalten. Dabei scheint sich niemand darüber zu wundern, dass immer noch täglich Millionen von Barrel Erdöl gefördert werden, dass weiterhin Milliarden in diese Industrie investiert werden, dass Erdöl immer noch eine große Rolle in weltpolitischen Angelegenheiten spielt.
Mit Gretas Worten: „Manche Leute sagen, wir alle hätten die Klimakrise gemeinsam verursacht. Doch das ist eine Lüge. Denn wenn alle schuldig sind, ist niemand schuldig zu sprechen. Aber es gibt Schuldige. Einige Leute, einige Unternehmen, vor allem einige Entscheidungsträger wussten genau welchen unbezahlbaren Wert sie opfern, um weiterhin unglaubliche Mengen an Geld zu verdienen.“
Anstatt eine nachhaltige Energie Infrastruktur zumindest zu planen, werden Öl- und Gaspipelines weiterhin projektiert und gebaut. Anstatt eine nachhaltige Mobilitätstechnologie zu entwickeln, werden weiterhin Fabriken für Verbrennungsmotoren geplant und gebaut. Natürlich brauchen Maßnahmen Zeit. Zeit die langsam knapp wird (zwei Minuten vor) oder schon abgelaufen ist. Über fünfzig Jahre lang haben sich Regierende und Unternehmen geweigert, zur Kenntnis zu nehmen, dass die Erdbevölkerung zu einer Belastung für den Planeten Erde selbst wird. Dazu Greta: „Wir Kinder tun normalerweise nicht das, was Erwachsene uns sagen. Wir tun es ihnen nach. Und nachdem ihr auf meine Zukunft scheißt, scheiße ich auch darauf.“
Greta Thunberg will nicht, dass wir hoffnungsvoll sind, will keine Hoffnung, sie will dass wir „panisch“ werden. Das wäre meine Befürchtung – Panik angesichts steigender Meeresspiegel, steigender Temperaturen im Sommer, Wetterkatastrophen, Missernten, Hunger und Wasserknappheit. Die Betroffenen werden panisch reagieren – wie könnten sie auch nicht. Aber panische Angst trübt das Urteilsvermögen. In Panik zählt nur der Augenblick. Was aber jetzt zählt, ist die gegenwärtige Gefahr ins Auge zu fassen, sie als eine monströse Gefahr zu erkennen und entsprechende Pläne zu fassen und deren Ausführung anzugehen. Die vielbeschworene Macht der Verbraucher*innen wird nicht genügen, um mit den Gefahren, die auf uns zukommen umzugehen. Regierungen und Unternehmen sind gefordert, endlich ihrem Auftrag nachzukommen, für die Menschen und die Menschheit Sorge zu tragen und das heißt heutzutage, die Lebensgrundlage aller Menschen, den Planeten Erde zu schützen. Deshalb unterstütze ich #FridaysForFuture und #ClimateStrike

Sommer 2019

Ich habe es gerne warm und ich freue mich auf den Sommer. Dann kann ich abends auf dem Balkon sitzen, ein wenig basteln oder lesen, oder einfach ab und zu einen Schluck Bier trinken und dort oben das Leben auf der Straße, in den Bäumen und am Himmel beobachten.
Der Winter war allerdings schon ziemlich trocken und ein leises Stimmchen fragt bange bebend: „Was, wenn dieser Sommer wieder so trocken wie letztes Jahr wird?“
Wie gesagt, ich mag es gerne warm und habe auch keine Probleme bei Hitze. Allerdings weiß ich, dass Hitze und Trockenheit dem Wald sehr zusetzen und natürlich auch der Landwirtschaft und der Gesundheit vieler Menschen – ach ja, das Wasser wird dann auch knapper.
Ich fühle mich da ambivalent – einerseits mag ich es gerne warm (falls ich das noch nicht erwähnt haben sollte), andererseits befürchte ich die Schäden, die ein zweiter Hitzesommer in Folge anrichten würde. Womöglich würden dann sogar noch mehr Mitbürger*innen damit beginnen, sich ernsthaft angemessene Sorgen um das Klima zu machen.
Das könnte sich sogar so auswirken, dass die von Greta Thunberg angestoßene Bewegung #FridayForFuture noch mehr Anhänger gewinnen würde – womöglich sogar solche, die gar nicht mehr zur Schule gehen #parentsforfuture oder gar #grandparentsforfuture. Womöglich kämen dann Politik und Wirtschaft nicht mehr darum herum, zumindest so zu tun, als ob sie versuchten, endlich wirksame Maßnahmen zu ergreifen.
Andererseits hat Hitze gerne den Effekt, dass sie träge macht. Ich kann Trägheit genießen – alles geht dann eben etwas langsamer und am liebsten im Schatten. Wenn dieser Effekt sich nun aber auch auf die ohnehin schon träge Klimapolitik auswirken würde? – das fände ich nicht so gut.
Die Sommerpause des Bundestags müsste verlängert werden, in den Ministerien liefen die Klimaanlagen auf Hochtouren, verbrauchten jede Menge Strom, weshalb die Kohlekraftwerke auch unglaublich viel tun müssten, weil die Flüsse nicht mehr genug Wasser führten um die letzten AKWs zu kühlen. Sorry, wir würden ja gerne etwas tun, aber im Moment ist es einfach zu heiß dazu.
Also ein weiterer zu heißer und zu trockener Sommer könnte ein Katastrophengefühl schon ziemlich nahe bringen.
Und auch da bin ich ein bisschen ambivalent. Weil, eigentlich mag ich keine Katastrophen, und andererseits finde ich sie auch faszinierend. Die Action, die da abginge und dann würden alle Macher aus Politik und Wirtschaft endlich zugeben müssen, dass sie zumindest gepennt haben – jahrzehntelang! Aber nutzt das was, wenn die Katastrophe da ist?
Aber es geht ja eher um das Katastrophengefühl. Mehr Katastrophengefühl fände ich echt gut angesichts einer real drohenden Katastrophe.
Also mir erscheint der kommende Sommer als eine echt spannende Sache.
Und wenn er nicht heiß wird, wünsche ich mir, dass er auf keinen Fall kalt wird.

#Anthropozän

Dass die Menschheit das Klima bereits verändert hat, ist ein messbarer Fakt. Es ging vor ungefähr zweihundert Jahren ganz langsam los. Über zweihundert Jahre lang wurde erst Kohle und dann Erdöl verbrannt – diese wunderbaren Energiespeicher aus den Wäldern der Warmzeiten – die vor Millionen von Jahren untergegangen sind.
Diese Anlaufzeit von über zweihundert Jahren hat eine gewisse Wucht aufgebaut – eine Masse, die sich in Bewegung übersetzt hat. Ich denke, es ist nicht ganz klar, wieviel Masse hinter dieser Bewegung steckt, und wie sich diese Bewegung auf das Klima der Erde auswirken wird.
Das Klima der Erde ist ein hochkomplexes System, bzw. ein Durcheinander von Systemen, die sich untereinander stabilisieren und irritieren und so irgendwie ein halbwegs geregeltes Miteinander schaffen.
Wenn Sie ihre Hand in ein Glas Wasser mit angenehmer Temperatur halten und dieses Wasser ganz, ganz langsam erhitzt wird. Und wenn Sie nebenbei etwas Interessantes im Fernsehen sehen. Dann werden Sie irgendwann eine gekochte Hand ihr eigen nennen, und Sie hätten nichts davon bemerkt.
Wie würden Sie reagieren, wenn Sie endlich bemerkt hätten, dass ihre rechte Hand gekocht wäre?
Ich stelle mir das einigermaßen erschütternd vor. Das könnte nicht rückgängig gemacht werden! – und etwas in mir würde im Chaos versinken.
Ein System ist eine Art von Ordnung, die ins Chaos abgleiten kann.
Im Chaos ist jede Ordnung und jede Macht verloren – Regeln gelten nicht mehr.
Klima Chaos zu erleben, würde unendliches Leid für viele, viele Menschen bedeuten.
Nach dem Chaos wird irgendwann dann eine neue Ordnung entstehen.
Ganz von selbst und irgendwie …