Wenn der Hund sich vor Lachen das Fell nassmacht

Was könnte denn im November 2021 so komisch sein? Im November mit dem kühlen böigen Wind, den eiskalten Regenschauern und dem glitschig nassen Laub auf den Wegen! Der Hund ist natürlich ein Kyniker. Als solcher sieht er die unvermeidlichen Lebenslügen und Illusionen, die bizarren Irrtümer und blinden Flecken, die Eitelkeiten und aufgeblasenen Angebereien, die  notorische Dummheit und die schlichte Einfalt, die sich in vielen Medien breitmachen. Deshalb lehnt er sich entspannt zurück und kläfft seine bissigen Kommentare zu den aktuellen Absurditäten z.B. in Blablasgow. Dort wurden jetzt u.a. wieder neue (alte) Ziele ausgerufen – Waldschutz bis 2030 (hahaha) und Methanverringerung um sage und schreibe 30% (hahaha) – das wird den Amazonas, den Permafrostboden, den CO2-Gehalt und das Artensterben sicher sehr beeindrucken.

Aber Spaß beiseite (falls möglich). Es ist doch immerhin schon etwas, dass sich Vertreter aller Staaten treffen, um gemeinsame Maßnahmen zum Schutz des Erdklimas zu beraten – also schlimm genug, dass sie sich überhaupt treffen müssen, bzw. dass das Klima, die Artenvielfalt, die Böden, das Wasser etc. so sehr in Gefahr sind. Naja, es ist ja nicht das Klima, das in Gefahr ist, wir Menschen sind es. Aber, wie es so typisch menschlich scheint, sind nicht alle gleichermaßen in Gefahr. Bei so manchem brennt bereits die Hütte, wenn sie nicht schon abgesoffen ist, während andere sich in Echtzeit die Klima-Show von der Couch aus ansehen können, sich kurz bestürzt zeigen und sich im nächsten Moment über steigende Benzinpreise aufregen. „Entspannt euch!“ Möchte ich ihnen zurufen. „Es wird noch viel schlimmer! Lehnt euch zurück, genießt euer Bier und übt euch in kynischer Heiterkeit!“

Lustig finde ich auch die Warnungen und Ermahnungen, nicht in Fatalismus zu verfallen. Nein, es ist nicht das Schicksal das zuschlägt, es sind bloß physikalische Gesetzmäßigkeiten, die sich entfalten. Sehr komplex das Ganze – CO2, Methan, Wasser etc. Wälder, Moore, Gletscher etc. Energieerzeugung, Massentierhaltung, Wasserwirtschaft etc. Strahlungsdruck, Treibhauseffekt, Klimasensitivität etc. Die Physik ist zwingend, nur der Umgang mit ihr bietet Spielräume an. Alles hängt irgendwie mit allem zusammen und man kann an keinem Schräubchen drehen, ohne dass irgendwo anders etwas herunterfällt und womöglich zerbricht.

Aber die Optimisten betonen: „Wir können es noch schaffen. Es ist erst fünf vor zwölf, wir müssen uns nur mehr anstrengen, unseren Konsum verringern, weniger Fleisch essen, weniger fliegen, weniger Auto fahren.“ Und „beten“ würde ich hinzufügen. Meist verschweigen die Optimisten, dass immer noch neue Erdölfelder erkundet und erschlossen werden, immer noch gigantische Mengen an Kohle gefördert und diese Unternehmungen auch noch mit Staatsgeldern unterstützt werden.

Also wäre es vielleicht besser pessimistisch zu sein? Pessimisten haben ja einen eher schlechten Ruf – sauertöpfisch sollen sie sein, freudlos und skeptisch bis zum Abwinken. Andererseits können Pessimisten auch nicht so leicht enttäuscht werden – da sie eh immer mit dem Schlimmsten rechnen, kann sie nichts mehr überraschen und falls doch einmal etwas klappt, haben sie sogar einen echten Grund zur Freude. Andererseits ist ja viel Pessimistisches über das Klimageschehen zu hören und zu lesen – seit über fünfzig Jahren etwa. Aber hat das irgendetwas gebracht? Irgendetwas zum Besseren gewendet? Der Datenlage nach nicht.

Nun gut – wie wäre es mit Ataraxie? Vollkommener Gleichmut, tiefste Seelenruhe im Angesicht des Unausweichlichen und das ist der Tod, den ich nicht mehr erlebe, wenn er erst einmal da ist. Also das wäre schon eine Option, falls es möglich wäre, aber andererseits haben die Gemütsbewegungen ja auch Unterhaltungswert – Freude, Lust, Neugier oder sich auch mal so richtig aufregen. Da spürt man doch, dass man noch lebt.

Also kynische Heiterkeit über die Unbeholfenheit einer Menschheit im Angesicht der sich entfaltenden Katastrophen. Heiterkeit zu den Kommentaren und Erklärungen, den Absichten und Plänen, den Konferenzen und Symposien, den Appellen und Versprechungen. Jeder Fachmensch beackert seinen Bereich und schlägt Schritte vor, die quer übers Gebiet eines anderen Fachs führen sollen und dort natürlich Protest auslöst. Und die Politikers wägen ab, versuchen sich an Prognosen, die drei Wochen in die Zukunft reichen und beteuern vor dem Scherbenhaufen, dass sie nichts dafür können, dass die Prognosen so nicht eingetroffen sind.

Besonders lustig auch die autoritären Potentaten – allesamt schlaue, alte Alpha-Männchen. Fast allesamt gierige Paten von mafiösen Clans. Ebenfalls fast alle sind Nachfolger von Massenmördern, deren Verbrechen nie gesühnt wurden, so grauenhafte Verbrechen, dass sie nicht einmal mehr erwähnt werden dürfen. Unter dem jubelnden Beifall ihrer Mitläufer führen sie ihre großartigen Völker in die nächste Misere. Nein, sie betrifft das alles nicht, sie halten sich für starke Anführer, die alle Probleme lösen können und den Rest verleugnen sie einfach.

Aber auch demokratisch oder fast demokratisch (USA) regierte Länder führen sich herrlich albern auf. Tun so, als hätten sie noch die Macht, etwas zu verändern, etwas zu stoppen (hahaha) oder noch besser – etwas zu kontrollieren (hahaha), was ihnen bereits bis zum Hals steht.

Es gibt eine philosophische Denkfigur, die besagt, dass wenn ein Ereignis einmal stattgefunden hat, die Aussage, dass es stattgefunden habe, zu allen Zeiten wahr ist – also sowohl in der Zukunft, als auch in der Vergangenheit. Wenn ich also heute sage, dass das Erdklima sich um mindestens vier Grad Celsius erwärmen wird, wird dieser Satz wahr sein, wenn es denn so weit ist. Ich glaube schon heute, dass dieser Satz wahr ist, aber leider werde ich den bitteren Triumph, es schon gewusst zu haben, nicht mehr genießen können.

Zurück nach Blablasgow – kurz vor dem Ende eine gute Nachricht: „Bei den derzeitig abgegebenen Versprechen könnten wir die Temperatur unter 1,8° C halten (hahaha). Dem wird gleich widersprochen – bestenfalls 2,4° C seien drin, aber auch nur, wenn die Versprechen gehalten werden (hahaha). Der deutsche Vertreter hat um Verständnis geworben. So eine Klimakonferenz dauere eben ihre Zeit (42 Jahre bisher) und dafür sei man doch erstaunlich weit gekommen. Ja schon, aber die Erwärmung war (und ist) weit schneller vorangekommen.

Kann der Kyniker auch konstruktiv sein? Genauso gut könnte man fragen: Kann es konstruktiv sein, den harten Tatsachen ins Auge zu blicken? Letztere Frage wäre wohl leichter mit „Ja!“ zu beantworten. Aber wenn die Tatsachen halt sehr hart sind, braucht es schon ein dickes Fell, um sie anzuerkennen. Dieses dicke Fell braucht ein Hund.

Harte physikalische Tatsachen: Der CO2 Gehalt der Atmosphäre ist so hoch, wie zuletzt vor drei Millionen Jahren. Damals war es etwa zwei bis drei Grad wärmer als heute (bzw. im Vergleich zur vorindustriellen Zeit) und der Meeresspiegel lag etwa zehn bis zwanzig Meter höher. Da der CO2 Gehalt bis auf Weiteres noch ansteigen wird und sich danach noch um die tausend Jahre lang auf diesem Niveau halten wird, ist es nicht sehr wahrscheinlich bis unmöglich, dass die sog. Paris-Ziele erreicht werden können – wuff wuff!

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